Februar

Rückblick: Japan / USA

Februar 2017

Julie Otsuka: Wovon wir träumten

»Hier ist ein absolutes Kunststück gelungen.«
Deutschlandradio Kultur

Inhalt

Februar

„Auf dem Schiff waren die meisten von uns Jungfrauen.“ So beginnt die berührende Geschichte einer Gruppe junger Frauen, die Anfang des 20. Jahrhunderts als Picture Brides von Japan nach Kalifornien reisen, um japanische Einwanderer zu heiraten. Bis zu ihrer Ankunft kennen die Frauen ihre zukünfigen Männer nur von den strahlenden Fotos der Heiratsvermittler, und auch sonst haben sie äusserst vage Vorstellungen von Amerika, was auf der Schiffsüberfahrt zu wilden Spekulationen führt: Sind die Amerikaner wirklich behaart wie Tiere und zwei Köpfe grösser? Was passiert in der Hochzeitsnacht? Wartet jenseits des Ozeans die grosse Liebe?
Aus ungewöhnlicher, eindringlicher Wir-Perspektive schildert der Roman die unterschiedlichen Schicksale der Frauen: wie sie in San Fransisco ankommen (und in vielen Fällen die Männer von den Fotos nicht wiedererkennen), wie sie ihre ersten Nächte als junge Ehefrauen erleben, wie sie Knochenarbeit leisten auf den Feldern oder in den Haushalten weisser Frauen (und von deren Ehemännern verführt werden), wie sie mit der fremden Sprache und Kultur ringen, Kinder zur Welt bringen, die später ihre Herkunft verleugnen, – und wie sie nach Pearl Harbor erneut zu Aussenseiterinnen werden.

die Autorin

© Robert Bessoir

Julie Otsuka, geboren 1962 in Kalifornien, lebt heute in New York City. 2002 erschien in den USA ihr Debütroman When the Emperor Was Divine. Sie war Guggenheim-Stipendiatin und wurde mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet. Wovon wir träumten ist ihr zweiter Roman und der erste, der auf Deutsch erscheint. Er wurde 2012 mit dem PEN / Faulkner Award ausgezeichnet.

die Übersetzerin

Katja Scholtz, 1971 geboren in Bochum, studierte in Freiburg, Aberdeen (Schottland) und Bonn und lebt seit 2008 in Hamburg, wo sie für den mareverlag tätig ist. 2010 übersetzte sie Fehler machen von Gabriel Josipovici ins Deutsche.

Angaben zum buch

Titel: Wovon wir träumten
Originaltitel: The Buddha in the Attic
Autorin: Julie Otsuka
Aus dem Amerikanischen von Katja Scholtz
160 Seiten
ISBN 978-3-86648-179-4
Erschienen Juli 2012 im mare Verlag.

Diese Bücher aus Japan sind zudem empfohlen:

– Murakami, Haruki: „Gefährliche Geliebte
– Tanizaki, Jun’ichiro:  „Lob des Schattens. Entwurf einer japanischen Ästhetik“ (Sachbuch)

2 Gedanken zu „Rückblick: Japan / USA

  1. Cécile sagt:

    Liebe Lydia
    Ich schicke dir ein paar Hintergrundinformationen zur Deportation der Bevölkerung mit japanischen Wurzeln. Ich habe 1982/83 in Seattle gelebt und bin seither öfters zurückgekehrt, vor allem auch auf Bainbridge Island, die Seattle vorgelagerte Insel.
    Auf dieser Insel gibt es eine nationale Gedenkstätte zur Deportation: Auf einer Holzwand sind alle Namen der damals deportierten Menschen aufgeführt, dazu auch Kunstwerke, die das Erlebte dokumentieren (vgl. meine Fotos)
    Das ist die Webseite der Bainbridge Island Japanese American Community BIJAC, die den Anstoss zur Gedenkstätte gegeben hat. Auf dieser Webseite hat es vieeeele Informationen zur Geschichte und Dokumentarfilme zum Anschauen. .
    Es gibt z.B. einen 1 ½ Min. Dok-Film, der im Zusammenhang mit dem Buch „Wovon wir träumten“ von Julie Otsuka berührt.
    (…)
    In der Stadt Seattle gibt es eine weitere eindrückliche historische Stätte, für Reisende absolut empfehlenswert: Das über 100 Jahre alte Hotel PANAMA mit Teelokal im International District, früher Japan Town.
    In diesem Hotel haben die Japanese Americans vor der Deportation ihre Lieblingssachen im Keller deponiert – es lagern immer noch Koffer in diesem Keller, die nach Schliessung der Camps nicht abgeholt worden sind. Sie sind durch eine Glasscheibe, die im Boden eingelassen ist, zu sehen. Ferner hat es viele Fotos aus jener Zeit an den Wänden.
    http://panamahotelfilm.com/

    Ich bin gespannt auf den Buchclub-Abend und freue mich darauf.
    Herzliche Grüsse
    Cécile

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